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PV-Anlage reinigen oder auf Regen warten? Wann sich eine Reinigung lohnt

8. Okt.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Okt.

„Die Solarmodule werden doch vom Regen sauber.“ Diese Annahme ist nachvollziehbar – und teilweise richtig. Regen kann Verschmutzungen abwaschen und zur natürlichen Reinigung einer Photovoltaikanlage beitragen. Er ersetzt jedoch nicht unter allen Bedingungen eine gezielte Reinigung.

Für Eigentümer stellt sich deshalb eine praktische Frage: Wann reicht der Niederschlag aus, und wann ist eine professionelle PV-Reinigung sinnvoll?

Die Antwort hängt vom Standort, der Modulneigung, der Verschmutzung und dem wirtschaftlichen Nutzen ab.



Was Regen tatsächlich leisten kann


Regen übernimmt einen Teil der Reinigung. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE beschreibt, dass intensiver Regen Module größtenteils wieder reinigen kann. Gleichzeitig können sich über die Jahre Verschmutzungen und damit verbundene Ertragsverluste aufbauen. Quelle: Fraunhofer ISE, „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“

Entscheidend ist deshalb der Zustand nach einem Regenschauer. Sind weiterhin Ablagerungen sichtbar, lässt sich aus dem Niederschlag allein keine ausreichende Reinigungswirkung ableiten.

Eine gelegentliche Sichtkontrolle hilft dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Dafür müssen Eigentümer das Dach nicht selbst betreten: Fotos von einem sicheren Standort oder eine fachlich durchgeführte Inspektion können erste Hinweise liefern.



Warum manche Anlagen stärker verschmutzen


Die Bedingungen unterscheiden sich erheblich. Eine Anlage auf einem frei stehenden Wohnhaus ist anderen Einflüssen ausgesetzt als eine Anlage neben landwirtschaftlichen Flächen, einem Gewerbebetrieb oder einem stark frequentierten Vogelstandort.

Auch die Montage spielt eine Rolle. Bei geringer Modulneigung können sich Ablagerungen leichter halten. Der Forschungsverbund IEA PVPS nennt unter anderem Staub, Vogelkot und biologische Beläge als Verschmutzungsquellen. Er weist darauf hin, dass besondere Standortbelastungen und ungünstige Montagebedingungen höhere Verluste verursachen können. Quelle: IEA PVPS, „Quantification of Technical Risks in PV Power Systems“

Ein sinnvoller Reinigungsplan orientiert sich deshalb an der konkreten Anlage. Ein festes Intervall für sämtliche Standorte wird diesen Unterschieden nicht gerecht.



Welche Verschmutzungen verdienen besondere Aufmerksamkeit?


Lose Ablagerungen und fest anhaftende Verschmutzungen reagieren unterschiedlich auf Regen. Eine europäische Untersuchung zu Verschmutzungsverlusten beschreibt beispielsweise Pollen, Vogelkot und industrielle Verunreinigungen als Ablagerungen, die trotz natürlicher Reinigung auf den Modulen verbleiben können. Quelle: „Photovoltaic soiling loss in Europe“, Renewable Energy

Besonders hilfreich ist es, wiederkehrende Stellen zu dokumentieren:

  • Bleiben bestimmte Module regelmäßig verschmutzt?

  • Sind einzelne Bereiche stark betroffen?

  • Entstehen Ablagerungen immer wieder an denselben Kanten?

  • Hat sich der Zustand nach einer längeren Trockenperiode verändert?

Fotos mit Datum schaffen eine bessere Entscheidungsgrundlage als die Erinnerung an den letzten Blick auf das Dach.



Weniger Strom bedeutet nicht automatisch: Reinigung nötig


Ein Rückgang des Ertrags kann verschiedene Ursachen haben. Wetter, Jahreszeit, Verschattung, technische Störungen und Verschmutzung müssen auseinandergehalten werden.

Der Vergleich eines sonnigen Tages mit einem bewölkten Tag sagt wenig über den Reinigungsbedarf aus. Auch ein höherer Ertrag direkt nach einer Reinigung beweist für sich allein noch keinen bestimmten Reinigungseffekt.

Für eine belastbare Bewertung sollten Betriebsdaten und Umgebungsbedingungen gemeinsam betrachtet werden. Das Fraunhofer ISE setzt bei der Qualitätssicherung von PV-Anlagen auf Monitoring und Analyse, um Auffälligkeiten zu erkennen und geeignete Wartungsmaßnahmen abzuleiten. Quelle: Fraunhofer ISE, digitale Qualitätssicherung von PV-Kraftwerken

Bei deutlichen oder plötzlich auftretenden Leistungseinbrüchen sollte deshalb zunächst die technische Ursache geklärt werden.



Wann lohnt sich eine PV-Reinigung wirtschaftlich?


Entscheidend ist der zusätzliche Strom, der durch eine Reinigung tatsächlich zurückgewonnen werden kann – und dessen Wert.

Selbst verbrauchter Strom kann den Bezug aus dem Netz verringern. Eingespeister Strom wird dagegen entsprechend der für die Anlage geltenden Vergütung bewertet. Für die Berechnung sollten die eigenen Vertragswerte verwendet werden.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Für einen betrachteten Zeitraum werden ohne Verschmutzungsverluste 10.000 kWh Stromerzeugung angenommen. Eine Reinigung könnte nach einer begründeten Abschätzung 5 Prozent davon zurückgewinnen. Das wären 500 kWh.

Wird die Hälfte dieses zusätzlichen Stroms selbst genutzt und die andere Hälfte eingespeist, ergibt sich bei beispielhaften Werten von 0,30 Euro je vermiedener Bezugs-kWh und 0,08 Euro je eingespeister kWh:

  • 250 kWh Eigenverbrauch × 0,30 Euro = 75 Euro

  • 250 kWh Einspeisung × 0,08 Euro = 20 Euro

  • Geschätzter zusätzlicher Nutzen: 95 Euro

Diese Zahlen sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose für Ihre Anlage. Die angenommenen 5 Prozent sind kein pauschaler Verschmutzungsverlust.

Wichtig ist außerdem der Zeitraum: Würde der nächste starke Regen einen Teil der Ablagerungen ohnehin entfernen, wäre der zusätzliche Nutzen der Reinigung geringer. Auch neue Verschmutzung kann den Effekt wieder reduzieren.



Was professionelle PV-Reinigung ausmacht


Eine fachgerechte Reinigung beginnt mit der Identifikation der Module und der Prüfung der Herstellervorgaben. Verfahren, Wasserqualität, Werkzeuge und gegebenenfalls Reinigungsmittel müssen zum jeweiligen Produkt passen.

Das JinkoSolar-Handbuch enthält beispielsweise eigene Anforderungen für die Modulreinigung. Solche Vorgaben dürfen nicht ungeprüft auf andere Hersteller oder Modultypen übertragen werden. Quelle: JinkoSolar, Installationshandbuch

Zur Auftragsplanung gehören außerdem der sichere Zugang, der Schutz elektrischer Komponenten und eine klare Beschreibung der Leistungen.

Bei geeigneten Objekten kann Drohnentechnik den Zugang zur Modulfläche unterstützen und Dachbegehungen reduzieren. Ob das vorgesehene Verfahren für die Module geeignet ist, muss unabhängig von der Zugangstechnik geprüft werden.



Erst prüfen, dann gezielt reinigen


Eine PV-Reinigung ist besonders dann interessant, wenn anhaltende Verschmutzungen vorliegen und ein nachvollziehbarer Nutzen zu erwarten ist. Regen bleibt ein wichtiger natürlicher Reinigungseffekt, ist aber keine Garantie für dauerhaft saubere Module.

Eine gute Entscheidung verbindet drei Informationen: den sichtbaren Zustand, die Betriebsdaten und eine realistische Wirtschaftlichkeitsabschätzung.

Sie möchten den möglichen Nutzen für Ihre Anlage abschätzen? Nutzen Sie den PV-Rechner von FlyClean Germany als erste Orientierung. Für eine Projektanfrage helfen Fotos, Standort, Anlagenleistung und Angaben zum Modulhersteller. So lässt sich die weitere Prüfung gezielt vorbereiten.

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